Kulturgespickte Wanderung auf den Rauschberg

Wandern mit Hund am Rauschberg

Zweifacher Gipfelsturm, Relikte des Bergbaus und ungewöhnliche Kunst am Berg: Das alles vereint die sportliche (Kultur-)Bergwanderung auf den Rauschberg ...

Heute geht es mal nicht nur ums Wandern mit Hund, sondern auch um Kunst bzw. Kultur am Berg, die durchaus sehr spannend sein kann. Ich wollte euch die Tour auf den Rauschberg schon lange ans Herz legen, aber irgendwie kam es nie dazu. Als nun Nadine auf Ihrem Blog "KulturNatur" zu einer Blogparade unter dem Motto "Mein Outdoor Kulturtipp" aufgerufen hat, fiel mir diese (übrigens auch sehr sportliche) Wanderung wieder ein ...

 

Schon der Startpunkt unserer Tour, für die wir uns einen ganzen Tag vorgenommen haben, hat an Tradition einiges aufzuwarten: direkt neben dem Gasthaus Schmelz, wo unser Bus hält, ist eine kleine Kapelle zu finden. Mit Leib und Seele kümmert sich Altwirt Franz Kessler um dieses Kleinod, das Bergknappen Anfang des 17. Jahrhunderts ihrer Schutzpatronin, der „Heiligen Barbara", widmeten.

 

Nachdem wir dieses Schmuckstück bewundert haben, wandern wir kurz an der B 305 entlang, um dann links einen Weg durch lichten Mischwald zu wählen. Kurz darauf kommen wir auf eine idyllische Lichtung, den Fahrriesboden, wo eine zweite Knappenkapelle gebaut wurde. Hier fühlen nicht nur die Einheimischen einen ganz besonderen Kraftort ...

Vom Fahrriesboden aus führt der Weg über den wild-romantischen Knappensteig weiter. Es geht über Holzstufen, an mit Drahtseil versicherten Passagen entlang, aber auch über rutschige Felsplatten, Stock und Stein. Etwas bergerfahrene Hunde dürften hier (noch) keine Probleme haben, wenn es hier schon schwierig ist, wird der weitere Aufstieg richtig schwer ...

 

Schließlich erreichen wir die „Sandreissen“, ein weiteres Relikt des Bergbaus. Dieses weiß strahlende Schuttfeld entstand durch das im Bergwerk abgebaute Gestein. Schließlich lag hier die bedeutendste Blei- und Zinklagerstätte im gesamten bayerischen Alpenraum.

Auf den Streicher: Vierbeiniger Gipfelsturm

Wandern mit Hund am Rauschberg
Mehrfach gibt es "Kraxelpassagen" für Vierbeiner.

Weiter geht es über teils hohe, abgespeckte und steile Felsstufen (Foto), die für nicht kraxelerpobte oder kleine Hunde durchaus ein Hindernis darstellen können.

 

Auf engen Serpentinen und durch Latschenfelder gelangen wir auf einen Sattel. Es geht noch etwa zehn Minuten weiter,  dann legen wir am Gipfel des Inzeller Kienberges, der sich  auch Streicher nennt, (1594 m), eine erste Pause mit herrlicher Aussicht ein. Herrlich!

Wir sind ganz alleine hier, winken einem Paraglider zu, der extra enge Runden neben dem Gipfelkreuz dreht und genießen den weiß-blauen Himmel.

 

Wir lösen uns von der Stille unseres ersten Gipfels, gehen zur Kuppe zurück und wandern über die Hochalm auf Wiesenpfaden rechts in Richtung Kienbergalm weiter.

 

Erst laufen wir auf einer Forststraße Richtung Vorderer Rauschberg. Dann, während es an weiteren, idyllischen Almhütten vorbei geht, bereiten wir uns seelisch auf den zweiten Gipfelsturm, den sehr steilen Anstieg zum Vorderen Rauschberg vor.

"Fraßkunst" hat nichts mit Gipfelbrotzeit zu tun

Am Gipfel des Vorderen Rauschberges (1645 m) findet man nicht nur das in der Bergwelt übliche Gipfelkreuz mit grandiosem Ausblick auf den Chiemsee und die umliegenden Ausläufer der nördlichen Kalkalpen, sondern auch die einzigartige Kunstmeile des heimischen Künstlers Walter Angerer des Jüngeren.

 

Neben Zauberbäumen kann man am Gasthaus Porträts der berühmten Bergsteiger Reinhold Messner und der Huber Buam in der Angerer-typischen Fraßbildtechnik betrachten. Diese Technik hat der Künstler selbst entwickelt – inspiriert von den Fraßspuren der Borkenkäfer in Holz.

 

Wandern mit Hund am Rauschberg
Die "Hand Adams" in typischer Fraßbildtechnik.

Nicht zu übersehen ist die riesige „Hand Adams“, die sich imposant gen Himmel streckt und Richtung Rom ausgerichtet ist. „Wer die Hand hier heroben sieht, der weiß – in dieser Richtung liegt Rom“, so Walter Angerer d. J. dazut. Beim "Himmelskletterer" hat er sich einen Huber-Buam als "Model" genommen, und auch eine Papstsäule hat er am Rauschberg installiert.

Zwei Tonnen Eisen am Gipfel: Nur für die Kunst

Zwei Tonnen verzinktes Eisen wurden allein für das Kunstwerk "Adams Hand" mit dem Laser ausgeschnitten, mit dem Hubschrauber an seinen Bestimmungsort gebracht, vierfach verankert und vor Ort verschweißt.

Nicht nur „Fraß“- sondern auch „Flugkunst“ bietet sich uns hier oben. Viele bunte Gleitschirmflieger und Paraglider lassen sich bei guter Thermik vom Rauschberg in die Wolken treiben und genießen es, wie „vogelfrei“ zu sein.

Es führt ein weiter, weiter Weg bergab ...

Wandern mit Hund am Rauschberg
Gehört auch zur Kultur am Berg: Ein Plumpsklo :-)

Im Gegensatz zu den Paraglidern wartet auf uns noch der weite Abstieg, der übrigens nur Geübten empfohlen wird. Wer den Weg nicht gehen möchte, der kann natürlich die bequeme Bergbahn nehmen oder über die Forststraße und den Sackgraben weiter Richtung Talstation der Rauschbergbahn absteigen.

 

Zunächst geht es ein Stück des Aufstiegsweges vom Gipfel zurück und dann, den Wegweisern folgend, rechts ab. Am Weg liegt ein hölzernes Plumpsklo mit klischeehaftem, geschnitzem Herzchen – Bergkultur pur, wie wir finden ...

 

Über eine Wiese geht es zu einem leerstehenden Häuschen, hier links über die Almwiese weiter.  Wir queren zweimal die Forststraße und übersehen dann fast – rechts vor einer scharfen Linkskurve – den ziemlich versteckten Steig mit der Beschilderung „Nur für Geübte".

Hier steigen wir einen engen Steig in steilen und schmalen Serpentinen bergab. In ausgesetztem und teils versichertem Gelände, wo auch die Vierbeiner aufpassen müssen, wandern wir durch lichtdurchfluteten Hangwald und später über die typischen Schuttkegel des Berges.

 

Immer wieder bleiben wir stehen und genießen die tollen Aussichten ins Tal. Schließlich geht es unter der im Jahr 1953 erbauten Rauschbergbahn durch und zum Auto, das wir am Parkplatz der Rauschbergbahn geparkt hatten.

 

Man kann von hier auch zurück bis zum Gasthaus Schmelz wandern, aber dieser lange Weg führt nur auf Forststraßen um den Berg herum und ist für uns – auf gut bayerisch: ein Hatscher, auf den wir gerne verzichten

 

Deshalb sind wir morgens mit dem praktischen Bus (RVO Linie 9506) von der nah gelegenen Bushaltestelle „Ortnerhof/Campingplatz“ bis nach Schmelz gefahren und von dort gestartet.

 

Kleiner Tipp zum Abschluß: Eingekehrt sind wir in Ruhpolding im Maibaumstüberl: sehr lecker!!!


Tipps für die  Wanderung auf den Rauschberg mit Hund:

Allgemeine Hinweise:

 

Länge der Tour: 19 km

Höhenmeter: 1460 Hm

Dauer (durchschnittlich): 8 h

 

Bewertung: Mensch: rot bis schwarz; lang, teils sehr steil, Drahtseilversicherungen, ausgesetzt

 

Parkplatz: Ruhpolding Parkplatz Rauschbergbahn; zu Fuß in 5 min zur Bushaltestelle „Ortnerhof/Campingplatz“

 

Einkehr: Rauschberghaus; Kienbergalm, wenn bewirtschaftet; Gasthaus Schmelz

 

Strecke: (mit dem Bus zum) Wanderparkplatz Schmelz  –  Fahrriesbodenkapelle – Knappensteig – Streicher –  Kienberg –  Vorderer Rauschberg  – Hutzenauersteig – Rauschbergbahnparkplatz

 

Weitere Infos:

 

Preise und Lage der Rauschbergbahn

 

Infos über Kunst am Berg

 

Download Busfahrpläne (RVO Linie 9506)

Hundespezifische Hinweise:

 

Bewertung: Hund: weite Teile rot, mehrfach schwarz

 

Wasser:

- am Schmelzbach in der Nähe des Wanderparkplatzes Schmelz

- Kuhtränke kurz nach der Kienbergalm

- am steilen Anstieg zum Rauschberg, Abzweigung zum großen Rauschberg

- Rauschberghaus

- beim Abstieg an einem weißen Hauskurz vor Hutzenauersteig

- am Ende des Abstieges 15 min vor Talstation

 

Tipp: Wer will und Pfadfinderqualitäten besitzt, wandert vom Wanderparkplatz Schmelz Richtung Moaralm und trifft kurz nach der Unterführung der B 305 auf einen Spielplatz mit Badegelegenheit für den Hund; von hier führt rechts direkt am Wald auch ein Trampelpfad zur Fahrriesbodenkapelle (nicht ausgeschildert); Der "chillige" Ort bietet sich evtl. auch als Abschluß der Wanderung an

 

Weitere Infos: der Knappensteig ist sehr schattig, aber kein Wasser, ab Sattel Streicher Strecke sehr sonnig; Abstieg wieder halbschattig

 

"Hotspots" für Hunde:

•  Aufstieg Knappensteig: Glatte Felsplatten, scharfkantiges Schuttfeld (sonnig!), steile Sprünge, hohe Felsstufen in etwas ausgesetztem Gelände im oberen Teil

• Gebiet Kienbergalm und Rauschberg: weitläufige Kuhweide

• Abstieg Hutzenauersteig: teils sehr ausgesetzt, schmal, mehrere, kurze drahtseilversicherte Passagen



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Kommentare: 4
  • #1

    Carolin (Dienstag, 22 März 2016 18:16)

    Dein Bericht macht doch Lust auf den Sommer und Wanderungen in den Bergen. Die "Hotspots" für Hunde finde ich übrigens super. Solche Infos sind immer nur schwer zu bekommen. Ich muss bei unserem Hund noch bei freilaufenden Kühen aufpassen, darum suche ich vor allem Touren, auf denen ich ihnen ausweichen kann.
    Viele Grüße
    Carolin

  • #2

    Andrea (Dienstag, 22 März 2016 22:18)

    Hallo Carolin, verstehe euer Hund-Kuh-Problem. Wenn es möglich ist, dass ihr vor Ende Mai/Anfang Juni und nach September geht, habt ihr die meisten Wanderungen "viehfrei", weil der Almabtrieb ja schon war. Das wäre das auch stressfreier für euren Vierbeiner :-)
    Viele Grüße zurück, Andrea

  • #3

    Mari (Samstag, 26 März 2016 20:08)

    Toller Reisebericht macht richtig lust auf mehr!

  • #4

    Nadine (Montag, 13 Februar 2017 10:02)

    Genau - bei dir, im Beitrag zur Blogparade, habe ich "Adams Hand" zum ersten Mal gesehen. :-) Wir hatten nun Gelegenheit, uns auf dem winterlichen Rauschberg umzuschauen. Und da das Panorama so berauschend war, werden wir uns beim nächsten Mal, im Sommer, nicht hochgondeln lassen, sondern diesem Weg hier folgen.