Fünf Expertentipps: So wird euer Hund fit für die Wandersaison

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Ihr seid im Winter nicht oft zum Wandern gekommen? Ihr wollt, dass euer Hund fit mit euch in die Wandersaison durchstartet?

Dann solltet ihr unbedingt unsere 5 Tipps zum Start in die Wandersaison lesen ...

Der Schnee schwindet allmählich, der Frühling kommt in großen Schritten und viele "scharren" quasi schon mit den Hufen, um endlich wieder raus und zum Wandern zu kommen. Für diejenigen, die im Winter nicht ganz so fleissig waren und lieber vor dem Kamin Winterschlaf gehalten haben, haben wir bei Hundephysiotherapeutin Martina Flocken nachgefragt, auf was man jetzt zum Start der Wandersaison achten sollte. Sie erklärt, wie man den Hund fit bekommen kann und zeigt euch auch, wie das geht:

Hund ohne große Vorbereitung zum Wandern mitnehmen – Ja oder Nein?

Mein Wanderhund: „Mein Hund hat ja sowieso einen „Allrad", den kann ich jederzeit unvorbereitet mit zum Wandern nehmen. Martina, was hältst du von dieser Aussage?"

Martina Flocken, Physiotherapeutin für Hunde.
Martina Flocken, Physiotherapeutin für Hunde.

Martina: Diese Aussage kann für einen Vierbeiner im Zweifel übel enden. Natürlich sind unsere Vierbeiner in der Regel sehr flink im Gelände unterwegs. Es ist toll anzusehen, wie sie mühelos über Stock und Stein laufen. Allerdings ist die besondere Beanspruchung des Körpers beim Wandersport nicht zu unterschätzen. Ich bin der Meinung, dass - genauso wie beim Menschen - etwas Vorbereitung notwendig ist, wenn der Vierbeiner uns auf Wanderungen begleitet.

 

Wir sollten bedenken, dass Steigungen und Gefälle sowie teils schwieriges Gelände einen höheren körperlichen Anspruch mit sich bringen, als ein normaler Spaziergang. Zudem fallen Wanderungen meist länger aus, als ein normaler Spaziergang. Neben dem Herz-Kreislauf-System wird auch der Bewegungsapparat intensiver beansprucht.

 

Daher ist es wichtig, dass ein verantwortungsvoller Hundehalter, bevor es losgeht, sicherstellt, das der Hund gesundheitlich in der Lage ist zu wandern. Das bedeutet zum einen, dass der Vierbeiner organisch gesund ist. Ebenso sollte sichergestellt sein, dass der Bewegungsapparat den Anforderungen des Wandersports gewachsen ist.

 

Auf eventuelle Erkrankungen muss Rücksicht genommen werden in Bezug auf Länge und Schwierigkeit der Wanderstrecke. Auch das Alter des Hundes sollte immer berücksichtigt werden.

 

Wenn der Hund an das Wandern gewöhnt werden soll, empfehle ich sorgfältig die notwendige Kondition aufzubauen. Dauer und Anspruch der Strecke sollten langsam gesteigert werden, um Überlastung zu verhindern.

Was kann man tun, um den Hund fit zu bekommen?

Mein Wanderhund: "Nach einem langen Winter mit eingeschränkter Bewegung - kann der Hundebesitzer etwas tun, um seinen Vierbeiner zum Wanderstart im Frühjahr fit zu bekommen?"

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Martina: Nach dem Winter ist es wichtig, den Hund körperlich wieder auf das Wandern vorzubereiten. Ein regelmäßiges Konditionstraining ist sehr sinnvoll. Das kann auch in der Wandersaison fortgeführt werden, um ein hohes Konditionslevel und körperliche Fitness sicherzustellen.

 

Beginnen sollte man beim Wandern mit leichten und kurzen Touren. So kann die Ausdauer langsam und gesund gesteigert werden. Startet man unvorbereitet und ambitioniert sofort mit einer anspruchvollen und ausgiebigen Wanderung, riskiert man Verletzungen, Muskelkater und Überlastungsschäden.

 

Es ist auch empfehlenswert nach der Winterpause einen Gesundheits-Check-Up beim Tierarzt einzuplanen. Diese sind ohnehin hilfreich, um mögliche Erkrankungen frühzeitig zu erkennen. Gleichzeitig weiß man dann auch, ob der Vierbeiner seinen Menschen weiterhin bedenkenlos auf Wandertouren begleiten kann.

Gibt es spezielle Übungen für die "Wander-Fitness"?

Mein Wanderhund: "Welche Übungen oder Sportarten sind gut, um den Vierbeiner aufs Bergwandern vorzubereiten?"

Martina: Die Kondition spielt beim Wandern natürlich eine große Rolle. Wenn dann noch größere Höhenunterschiede hinzukommen, müssen Herz-Kreislaufsystem und Körper wirklich fit sein.

 

Um eine entsprechende Ausdauer und auch eine gute Muskulatur aufzubauen sowie zu erhalten, ist es sinnvoll mit dem Hund zu Joggen oder Rad zu fahren. Doch auch hier ist ein gesunder Aufbau wichtig.

 

Hier findet ihr meine Tipps zum Joggen und Radfahren mit Hund.

 

Gleichzeitig erfordert das Wandern je nach Anspruch auch eine gute Balance und Koordination. Diese kann man mit gezielten Bewegungsübungen trainieren. Nur mit einem guten Körpergefühl kann der Hund sich auch in unwegsamerem Gelände sicher bewegen und Verletzungen vermieden werden.

Ist Aufwärmen und Abkühlen auch beim Wandern mit Hund nötig?

Mein Wanderhund: Aufwärmen, Cool down, Massagen – ist das "Menschen-Programm" auch bei unseren Vierbeinern nötig?

Martina Flocken, Physiotherapeutin für Hunde.

Martina: Das sind definitiv sehr wichtige Punkte. Der Hundekörper ist dem menschlichen Körper in dieser Hinsicht sehr ähnlich. Ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Körper unseres Hundes ist wichtig, um den Vierbeiner lange gesund und fit zu halten. Mit dem Aufwärmen und dem Cool Down trägt der Hundehalter viel dazu bei, dass der Hund vor Verletzungen geschützt ist, Erkrankungen des Bewegungsapparates vermieden werden und er mit körperlicher Belastung besser umgehen kann.

Letztendlich kann er so gesund und möglichst beschwerdefrei altern.

 

Das bedeutet: vor der körperlichen Aktivität wenige Minuten in das Aufwärmen des Hundes zu investieren und danach die Regeneration des Körpers mit einem Cool Down zu unterstützen.

 

Beim Warm up wird der Körper auf die folgende körperliche Belastung vorbereitet. Körpertemperatur und Herzfrequenz steigen, die Durchblutung wird erhöht. Muskulatur, Nerven, Sehnen und Bänder werden vermehrt mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Denn genau das brauchen sie, wenn sie erhöhte Leistung bringen müssen. Durch richtiges Aufwärmen steigt in den Gelenken verstärkt die Produktion der wichtigen Gelenkschmiere. Sie garantiert eine reibungslose Funktion der Gelenke. Die Gelenke werden beweglicher, sie werden elastischer und belastbarer. Durch das Aufwärmen der Rückenmuskulatur wird die Wirbelsäule stabilisiert, gestützt und entlastet. Muskeln, Bänder und Sehnen werden geschmeidig und elastisch und Verletzungen werden vorgebeugt.

 

Hier habe ich mehr zum Thema Warm up für Hunde in Theorie und Warm up für Hunde mit Übungsvorschlägen zusammengefasst.

 

Auch die Nerven spielen eine große Rolle. Die Nervenbahnen werden besser versorgt, die Koordination wird verbessert und Bewegungsmuster können besser und schneller abgerufen werden. Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit werden körperlich als auch physisch gesteigert.

 

Das Cool down nach körperlicher Aktivität hilft dem Körper schneller zu regenerieren und beugt schlussendlich auch Verletzungen vor. Der Hund kommt schneller in den Entspannungsmodus.

 

Die perfekte Ergänzung sind da natürlich Massagen für den Hund. Die meisten Vierbeiner lieben wie wir Menschen eine entspannende, wohltuende Massage. Sie hat nicht nur einen Wellness-Effekt. Sie löst Verspannungen und lindert auch Schmerzen. Zusätzlich stärkt sie die Bindung zwischen Hund und Halter.

 

Nach einer tollen Wanderung mit seinem Menschen werden die meisten Vierbeiner nicht nein sagen, wenn man den Tag mit einer schönen Massage ausklingen läßt.

Wie bemerke ich, wann die Wandertour dem Hund zu viel ist?

Mein Wanderhund: Bei der ersten Tour: Wie merke ich während der Wanderung, dass es dem Hund zu viel ist?

Martina: Wenn du feststellst, dass dein Hund sich z.B. immer wieder zurückfallen läßt, sich hinlegt, stark hechelt, sind das klare Anzeichen, dass der Hund überfordert ist. Das bedeutet keinesfalls, dass der Hund faul ist. Du solltest du ihm unbedingt eine Pause gönnen.

 

Allerdings sehe ich es in der Verantwortung des Hundehalters, dass es nicht zu einer solchen Situation kommt. Baut man das Wandern mit seinem Hund langsam, gesund und sinnvoll auf, schliessen sich solche Situationen aus.

 

Eine Wanderung sollte beendet sein, bevor der Vierbeiner völlig erschöpft.

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Kommentare: 3
  • #1

    Sandra (Mittwoch, 01 März 2017 19:15)

    Sehr schöner Artikel!

    Werde demnächst auch das erste Mal mit Zoe Wandern gehen und da sind solche Tipps natürlich extrem informativ. Wollte ebenfalls auf meinem Blog übers Wandern mit Hund berichten, allerdings erst wenn ich auch die erste Tour hinter mir habe.

    LG
    Sandra & Zoe

  • #2

    Lea (Mittwoch, 29 März 2017 09:49)

    Vielen Dank für diese tollen Tipps! Mein Mann und ich werden dieses Jahr das erste Mal Urlaub mit Hund in Südtirol machen. Da kommen mir diese Tipps gerade recht! :) LG

  • #3

    Kirsten Jung (Montag, 26 Juni 2017 14:58)

    Stimme voll und ganz zu - ich persönlich ziehe allerdings vor größeren Anstrengungen den Check Up beim Physiotherapeuten dem beim Tierarzt vor - es sei denn der Hund hat noch weitere Vorerkrankungen. Rein Muskelzustand, Ausdauer etc kann von denen oft besser eingeschätzt werden...aber natürlich hat nicht jeder einen Tierphysio um die Ecke...seitdem Kira Gelenkarthose in den Knien hat und nach den OPs wegen Kreuzbandrissen mache ich jedenfalls keine Tour mehr ohne vorheriges Okay :-) Und bisher war die Einschätzung immer richtig.