Dogtrekking: Der Reiz des Langstreckenwanderns mit Hund

Doktrekking; Wandern mit Hund; Maria Müller; mein-wanderhund.de

Maria Müller ist infizert: Mit Hundeliebe, sportlichem Ehrgeiz und Naturverbundenheit. Kein Wunder, dass sie da dem Dogtrekking "verfallen" ist. Ein Interwiew über eine Sportart, die unter Hundebesitzern immer mehr zum Trend wird ...

alle Fotos ©Müller

Maria Müller ist die Gründerin des Blogs Mountaindogs und Veranstalterin des Karwendel Dogtrekking Events. In ihrem "Rudel" leben drei Hunde: Filou, der älteste, ist eigentlich der Familienhund und leider nicht mehr so fit, weswegen er jetzt schon die Rente genießt. Dazu gehören zwei Mädels, Marias eigene Hunde, sogenannte German Trailhounds.

 

"Der Name ist hierbei Programm", erzählt Maria, "das sind Hunde, die laufen wollen und viel Auslastung benötigen. Wenn sie diese dann auch bekommen, sind sie daheim die bravsten Hunde der Welt." Mit ihren Hunden ist Maria am liebsten in den Bergen unterwegs, dabei ist es ihr egal, ob sie schnell durch die Berge rennt oder langsam mit viel Gepäck und Zelt unterwegs ist. "Wir genießen die Zeit in der Natur und diese enge Teamarbeit, die beim Dogtrekking gefordert wird."

 

Was genau Dogtrekking ist und was Maria daran so fasziniert, erzählt sie uns im Interview:

Wie bist du zum Dogtrekking gekommen und wie lange machst du das schon?

Ich habe mit meinem griechisches Straßenhund mit dem Zughundesport begonnen. Zu Beginn haben wir Canicross und Scooterjöring im Sprint gemacht. Leider hat sich, als wir Blut geleckt hatten, herausgestellt, dass Filou ED hat, also Arthrose in den Ellenbogengelenken. Bei Ihm sind genetisch bedingt Elle und Speiche unterschiedlich lang. Jetzt war guter Rat teuer und wir suchten nach einer Alternative. So sind wir zum Dogtrekking gekommen, denn diese langsame, aber muskulär anstrengende Zugbelastung ist sogar fördernd für die ED, da Muskeln um das beschädigte Gelenk aufgebaut werden und diese Muskeln dienen der Entlastung des Knorpels.

 

Angefangen habe ich im Winter 15/16 und an meinem ersten Wettkampf bin ich im April 2016 gestartet, bei der Erstauflage des Elbsandsteindogtrekking. So hat dann alles seinen Lauf genommen und ich bin regelrecht infiziert worden. Mein Ziel waren die ganz langen Distanzen, dies war dann auch der Grund, warum noch ein weiterer Hund bei mir eingezogen ist, da Filou körperlich einfach nicht mehr in der Lage war, so weite Strecken zu meistern. Nach dem zweiten Hund zog ein halbes Jahr später der dritte ein. Jetzt sind wir immer auch der Suche nach neuen langen und schönen Herausforderungen.

In der kälteren Jahreszeit machen wir noch aus Spaß die Sprintdisziplinen des Zughundesports, wie Scooter und Bikejöring.

Wie genau definiert sich Dogtrekking und was unterscheidet es von Doghiking oder Canicross?

Dogtrekking (DT) bedeutet eigentlich nur „Weitwandern mit Hund“.

 

Der Unterschied zum Doghiking (DH) liegt lediglich in der zu absolvierenden Distanz. Als Dogtrekking zählen Strecken die länger als 80 km sind und in ein bis zwei Tagen absolviert werden. Wenn eine Strecke enorm viele Höhenmeter aufweist, dann kann ein Dogtrekking auch etwas weniger Kilometer haben. Ein Doghike geht über eine Distanz von 40 bis 80 km, auch hier können Kilometer im Zuge von einer großen Höhenmeter Anzahl reduziert werden.

 

Als Canicross ist der klassische Sprint mit Hund über eine Distanz von 2 bis 6 km gemeint. Die Strecke wird dort laufend und nicht wie beim Dogtrekking oder Doghike gehend absolviert. Canicross ist die Disziplin für Adrenalinjunkies und alle, die Tempo lieben, hierbei entscheiden oftmals nur Sekunden zwischen den einzelnen Plätzen, während beim Dogtrekking oder Doghike Minuten oder gar Stunden zwischen den Teilnehmern liegen. Hierbei zählt vor allem Ausdauer und Durchhaltevermögen

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Was fasziniert dich am Dogtrekking?

Dass man eine extrem lange Zeit zusammen mit seinem Hund in der Natur unterwegs ist. Dabei ist man entweder komplett alleine oder in 2er- bis maximal 4er-Gruppen unterwegs. Eine großere Gruppe ist eher kontraproduktiv, da man viel rumsteht und langsamer vorwärts kommt, denn irgendwas ist immer, egal ob kurz jemand etwas Essen möchte, Kleider wechseln oder sonst irgendwas ...

 

Beim DT ist jede Gruppe auf sich selbst gestellt, meist erhält man nur eine Karte mit dem eingezeichneten Weg und den darauf markierten Checkpoints, die man unterwegs einsammeln muss, um nachweisen zu können, dass man die Strecke auch ordnungsgemäß absolviert hat. Dies fordert wiederum einiges an Orientierungsvermögen und Kenntnisse im Lesen von Karten. Aber genau diese zusätzliche Herausforderung zusätzlich zu der körperlichen Anstrengung macht für mich den Reiz aus.

 

Aufgrund der Länge der Distanzen, geht man dabei körperlich definitiv an die eigenen Grenzen, deswegen ist vor allem bei der langen Distanz das Biwakieren, also das Übernachten in der Natur, eine Möglichkeit, die Strecke auf zwei Tage aufzuteilen.

Welche Voraussetzungen brauchen Hund und Frauli oder Herrli?

Das Dogtrekking ist, wie ich finde, eine sehr trainingsintensive Sportart, aber da man das Training extrem gut in den Alltag integrieren kann und keinerlei Gerätschaften benötigt, ist das Training trotz Vollzeitjob gut zu meistern. Eigentlich muss man einfach nur häufig lange Gassigänge zusammen mit seinem Hund unternehmen. Doch neben dem Ausdauertraining von Mensch und Hund steht auch noch Techniktraining auf dem Programm.

 

Bergab müssen meine Hunde zum Beispiel hinter mir gehen, da ich nicht noch zusätzlich meinen Hund bremsen möchte, dass wäre ja verschwendete Energie und auf der langen Strecke muss man sich seine Energie gut einteilen und nicht verschwenden. Ebenso muss man sich als Mensch mit dem Thema Karte, Wegfindung und Orientierung auseinandersetzten. Dies ist auch optimal im heimischen Wald möglich.

 

Dabei sucht man sich eine Strecke auf der Karte heraus und versucht diese ohne die GPS-Unterstützung vom Handy abzulaufen. Zu guter Letzt wird vor allem bei alpinen DTs noch einiges an Technik von Mensch und Hund abverlangt, denn der Weg führt oftmals über schmale Steige, die Trittsicherheit erfordern und an denen der Hund nicht einfach rumhampeln darf, da er sonst sich und seinen Besitzer gefährdet.

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Du läufst auch Wettbewerben mit, was gefällt dir dabei?

Eigentlich freue ich mich am meisten darüber, meine Dogtrekking Freunde mal wieder zu sehen, denn diese kommen aus allen Ecken des Landes und man sieht sich eigentlich nur auf DTs. Aber auch das Rennen an sich reizt mich. Einfach mal zusammen mit seinem Hund an die Grenze zu gehen. Distanzen zu absolvieren, für die manch anderer eine ganze Woche benötigt.

 

Auch ist es toll, immer neue Gegenden kennen zu lernen. Da die DTs immer von Einheimischen organisiert werden, führen die Strecken über die schönsten Wege und durch tolle Landschaften. Diese würde man, wenn man einfach auf eigene Faust dort Urlaub macht, wahrscheinlcih gar nciht entdecken. Es ist somit ein tolles Naturerlebnis und man lernt immer neue Gegenden kennen, wenn man fleißig an den unterschiedlichsten DTs teilnimmt.

Wie läuft ein Dogtrekking-Wettkampf ab?

Am Freitag ist Anreise, den ganzen Tag über trudeln die einzelnen Teams ein, der Tag wird dann zum Ratschen und dem Treffen von bekannten Gesichtern genutzt. Es werden neue Leute kennengelernt und die endgültigen Wanderteams bilden sich.

 

Prinzipiell handelt es sich zwar um einen Einzelwettkampf, aber es ist ganz normal und vor allem in den Bergen auch gern gesehen, wenn die Teams nicht alleine unterwegs sind. Am besten haben sich Gruppen von 2 bis 4 Personen bewährt. Zusammen kann man sich super motivieren und beim Orientieren unterstützen. Am Abend sitzt man noch gemütlich zusammen und es gibt das Streckenbriefing, bei dem an alle Teilnehmer die Karten ausgeteilt werden, die Strecke kurz durchgesprochen und dabei auch auf eventuell heikle Stellen hingewiesen wird.

 

Dann geht es zeitig ins Bett, denn die ersten von der langen Distanz starten meist irgendwann mitten in der Nacht. So langsam startet dann ein Team nach dem anderen, die Startzeit ist dabei frei wählbar. Nun erlebt jedes Team sein eigenes Abenteuer auf dem Trail, bis dann so am späteren Nachmittag wieder die ersten im Basislager einlaufen. Der Rest des Tages wird wieder gemütlich verbracht und jeder erzählt so von seinen Highlights auf der Tour. Gegen Sonntagmittag findet dann die Siegerehrung statt und danach löst sich alles auch schon wieder auf und jeder fährt langsam nachhause. Der ein oder andere hängt aber auch einfach noch ein paar Tage Urlaub dran ...

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Du veranstaltest 2018 das 2. Karwendel-Dogtrekking. Wie ist die Resonanz?

Nach der Teilnahme an einigen DTs wuchs die Idee heran, selbst mal ein DT zu organisieren. Das benötigte dann noch einiges an Überlegungszeit, doch dann war es so weit. Im Sommer 2017 fand das 1. Karwendel-Dogtrekking (KDT) statt. Das Event war für mich mit viel Organisation verbunden, aber es hat sich gelohnt, die Teilnehmer waren zufrieden und begeistert von der Landschaft.

 

Deswegen gibt es in diesem Jahr auch eine Zweitauflage. Neue Mensch-Hund Teams sind hierbei immer gern gesehen. Für alle Einsteiger gibt es auch extra eine Schnupperstrecke, die Dog Tour, die Interessierten einen guten Einstieg in die Sportart Dogtrekking bietet.

 

Die Resonanz ist auch dieses Jahr wieder sehr gut, aber es sind auch noch ein paar freie Plätze übrig, also wer jetzt Lust bekommen hat, traut euch und meldet euch noch an!

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