Weitwandern mit Hund: Mit Vierbeiner auf dem Jakobsweg

Mit Hund auf dem Jakobsweg; Nadine Vollbrecht

Nadine war früher ein richtiger Couchpotato – inzwischen ist sie mit ihrer Hündin Luna ein richtiger Outdoorfreak geworden. Eine Pause vom stressigen Alltag brachte die 25-Jährige erstmals auf den Jakobsweg.  Zusammen mit ihrem Hund ist sie nun schon 1.500 Kilometer auf dem Camino gelaufen.

Wann hat dich der "Virus" Camino ergriffen?

Das war etwa ein halbes Jahr, bevor ich den Jakobsweg gelaufen bin. Klar hatte ich schon Bücher über den Jakobsweg gelesen, die ein oder andere Reportage gesehen und auch schon mal gesagt "Das will ich auch mal machen."  Aber so richtig gepackt hat es mich erst, als ich an einem Punkt war, an dem ich eine Pause vom Alltag gebraucht habe und irgendwie auch nicht mehr weiter wusste. 

Wieviele Kilometer bist du inzwischen insgesamt auf dem Jakobsweg gewandert?

Insgesamt sind es jetzt mehr als 1.500 km, die ich auf dem Jakobsweg verbracht habe. Davon Wege in Deutschland, Niederlande, Belgien, Frankreich und Spanien. Und das alles gemeinsam mit meinem Hund Luna. Momentan laufe ich (noch in Wochenendetappen) von meiner Haustür in Richtung Trondheim. Denn auch oben im Norden gibt es Jakobswege, die erkundet werden wollen.

Was war für dich die größte Herausforderung?

Neben der Anreise nach Spanien, die auch schon eine Herausforderung darstellte, war die größte Herausforderung für mich, den Mut aufzubringen, solch eine Reise auf mich zu nehmen - gerade mit Hund! Auch hatte ich immer im Hinterkopf, dass Spanien mit Hund nicht so einfach sein soll. Ich wurde in der Hinsicht aber eines Besseren belehrt. 

Was war das schönste Erlebnis?

Neben dem Ankommen in Santiago war das schönste Erlebnis bzw. Ereignis das Geschenk eines anderen - unbekannten -  Pilgers. Ich hatte mit dem Wetter im Mai nicht immer Glück und viel Regen. Im Zelt ist das nachts nicht immer schön. Eines Abends, tagsüber hatten wir mal wieder Dauerregen, kam ich völlig erschöpft in eine kleine Stadt und hab mich völlig fertig in eine Bar gesetzt, als auf einmal der Besitzer ankam und mir erzählte, dass ein anderer Pilger für mich ein Hotelzimmer reserviert und sogar schon bezahlt hatte; ich musste nur noch mit Luna einchecken. Bis heute weiß ich leider nicht, wer mir das Hotelzimmer organisiert und bezahlt hat. Es wird wohl wahrscheinlich für immer ein "Camino-Geheimnis" bleiben. Doch es war das schönste Geschenk, das man mir machen konnte. 

Was würdest du Leuten als Tipp mit auf den Weg geben, wenn sie den Weg mit Hund gehen möchten?

Nicht so viele Gedanken machen und bloß nicht bis ins kleinste Detail die Reise planen. Einfach die Zeit mit dem treuen Partner genießen. 

Was war die negativste Erfahrung?

Es gab eine Situation, in der mein Hund von einem Hofhund angegriffen wurde. Gott sei Dank ist nichts passiert und ich konnte die Situation schnell klären. Doch der Moment war natürlich nicht schön und der Schreck saß erstmal tief. Das war aber nur eine böse Begegnung, die wir mit Hunden hatten. In der Regel waren sowohl die Hofhunde als auch die Straßenhunde recht freundlich. 

Wie hast die Probleme "Unterkunft mit Hund" und "Futter für den Hund" gelöst?

Ich habe auf dem Jakobsweg überwiegend gezeltet. Nicht, weil ich keine anderen Unterkünfte gefunden habe, sondern weil ich einfach die Abgeschiedenheit wollte. Aber auch mal im Stroh oder bei Einheimischen im Wohnzimmer haben wir geschlafen. Unterkünfte mit Hund zu finden, fand ich jetzt nicht so schwer. Mittlerweile gibt es viele Pensionen, die Hunde erlauben. Bei den Herbergen sieht es leider bisschen schlechter aus. Aber auch wenn man ein "Nein" bekommt, versuchen die Leute trotzdem noch, einen Schlafplatz für dich zu finden.  

Futter habe ich vor Ort frisch gekauft. In jedem noch so kleinem Dorf gibt es immer wieder ein "Tante-Emma-Laden" der frisches Fleisch bzw. Fisch hatte. Dazu gab es dann Nudeln, Reis oder mal Gemüse.  Aber auch Hundefutter habe ich oft im Supermarkt, in den etwas größeren Städten,  gesehen. 

Was ist dein großes Ziel?

Momentan ist mein großes Ziel die Reise nach Trondheim. Bis dahin liegen noch knapp 1.600 km Fußweg vor uns und vielleicht laufe ich dann auch weiter ans Nordkap. Natürlich gemeinsam mit Luna, wenn wir beide fit bleiben! 


Nadine Vollbrecht, aus Bredelem (am Harz) 25 Jahre

Früher, das heißt vor rund sechs Jahren, war ich noch der absolute Couchpotato. Jetzt bin ich ein kleiner Outdoorfreak!

 

Ich mag die Natur, die Stille, das Rauschen der Wellen und das Kreischen der Möwen. Für mich sind Trekking und Reisen ein Aufatmen der Seele.

 

Wenn der Alltag mir mal wieder die Luft zum Atmen nimmt, dann schnall ich meinen Rucksack auf, schnappe mir meine Luna und wir ziehen durch die Landschaft.

 

Die Natur ist meine persönliche Tankstelle. Hier kann ich wieder Energie für die Weiterfahrt im Alltag tanken.

 

Ich bin gelernte Bürokauffrau, wobei ich meinen Job nach dem Jakobsweg gekündigt habe und jetzt selbstständig  bin bzw. überwiegend Vorträge/Seminare rund ums Reisen mit Hund halte.

 

Mehr von mir findet ihr auf meiner Homepage:

https://4pfoten-trekking.com 

Luna, Schäferhund-Wolfshund-Mix, totales Energiebündel, 7 Jahre

Im Dezember wird sie sieben Jahre alt. 

Bekommen habe ich Luna mit knapp einem Jahr aus schlechter Haltung. Die ersten Monate hat sie in einer Transportbox im Keller gehaust. Begründung der damaligen Besitzer: "Sie hätten keinen Platz in der Wohnung für so einen großen Hund und konnten ja auch nicht ahnen, dass sie so groß werden wird". Es hat lange gebraucht, Lunas Vertrauen zu gewinnen.

 

Mittlerweile sind wir aber ein eingespieltes Team und sie hat viel Selbstsicherheit bekommen. Bei Fremden ist sie anfangs schüchtern, taut aber nach einiger Zeit auf und genießt dann kleine Streicheleinheiten. Luna liebt Ball spielen, lange Spaziergänge, schwimmen im Teich und nach Mäusen buddeln. 

 

Luna ist ein sehr sportlicher Hund, der gefordert werden möchte; so betreiben wir neben Canicross und Bikejöring auch Maintrailing.

Bin ich mit Luna unterwegs, ist sie mein Aufpasser, mein Beschützer und Bodyguard. Ich kann mich zu 100 Prozent auf sie verlassen und gemeinsam stürzen wir uns daher in ganz viele Abenteuer – ob nah oder fern!



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Kommentare: 7
  • #1

    jeannette conus (Samstag, 30 Dezember 2017 20:24)

    super! ich bewundere deinen mut! schön hast du die liebe zur natur gefunden! wünsche dir und deiner luna noch viele erlebnisreiche wanderungen!

  • #2

    Olivia (Sonntag, 31 Dezember 2017 21:43)

    Hi,...hab dich im Harz dieses Jahr getroffen.... Da hast du deine Wanderung auf den jskobsweg erwähnt.... finde ich super, dass es jetzt auch was zum lesen gibt.....interessiert mich auch das Thema....

  • #3

    Lotta (Dienstag, 02 Januar 2018 20:55)

    Toll, ich bin begeistert. Wie seid ihr zwei denn nach Spanien gereist? Fliegen möchte ich mit meinem nicht .. zug? Oder doch Auto ?

    Liebe Grüsse

  • #4

    Nadine (Dienstag, 02 Januar 2018 22:09)

    Olivia: Wie klein die Welt doch manchmal ist ;) vielleicht trifft man sich ja nochmal im Harz, dann kann man die Themen ja mal ein bisschen vertiefen ...

    Lotta: Wir sind mit dem Auto angereist. In Spanien habe ich das Auto dann in einer Tiefgarage stehen lassen und bin mit dem Mietwagen zum Startpunkt gefahren. Die Fahrt mit dem Zug ist aber eine gute Alternative, die ich das nächste mal auch in Betracht ziehen würde! Auf meiner Homepage habe ich mal die Anreisemöglichkeiten verglichen, vielleicht hilft dir das weiter!

    https://4pfoten-trekking.com/trekkingreisen/jakobsweg/anreise-mit-hund/

  • #5

    Anja (Mittwoch, 03 Januar 2018 16:08)

    Habe den Weg letztes Jahr gemacht. Den Camino del Norte mit meiner Motte ( Galgo-Hütehund-Mix). Es war eine wunderbare Reise und ich werde es wieder tun. Für Motte war es allerdings anstrengender, als ich dachte. Sogar grenzwertig. Die Pfoten waren dabei kein Problem und sehr warm war es auch nicht. Und obwohl sie gut trainiert ist, hat ihr das tägliche Laufen ( zw. 7 und 30 km) irgendwann echt zu schaffen gemacht. Nicht jeder Hund ist dafür geschaffen.
    Ach ja, angereist bin ich mit dem Zug, bis Hendaye (b. Irun). Das nä. Mal werde ich sie wohl deshalb leider nicht mitnehmen.

  • #6

    Elisabeth (Donnerstag, 25 Januar 2018 13:45)

    Hallo Nadine! Es ist wunderschön deinen Bericht über den Jakobsweg zu lesen. Ich habe mich besonders über die Fotos von dir und deinem Hund gefreut. Ich bin selbst im Herbst 2016 und im Frühjahr 2017 von Wien Stephansplatz bis St. Anton am Arlberg (Tirol) mit meinem Hund gegangen. Auch mein Hund ist ein Schäfer/Wolfshundmischling und schaut auch so aus wie deiner. Sogar sein Rucksack war blau. Heuer geht es weiter durch die Schweiz. Ich würde gerne mit dir Erfahrungen mit Hund in der Schweiz austauschen.

  • #7

    Nadine (Dienstag, 20 März 2018)

    Hallo Elisabeth,

    vielen Dank für dein Feedback! Jetzt hast du mich wirklich neugierig gemacht! Über ein Erfahrungsaustausch würde ich mich freuen! Wenn du noch Interesse hast, dann schick mir einfach eine E-Mail an: pfotentrekking[at]outlook.de

    Viele Grüße
    Nadine + Luna