Mit Hund in die Verdonschlucht - Sentier Martel

 Mit Hund in der Verdonschlucht auf Wandertour

Die wild-romantische Verdonschlucht lockt viele Besucher auf den 15 Kilometer langen "Sentier Blanc-Martel". Auch uns. Eine Wanderung mit Irrungen, Wirrungen und Taschenlampenzwang ...

Der  Sentier Blanc-Martel ist wohl die bekannteste Wanderung im Grand Canyon du Verdon. Leider hat der Weg zwei Haken: Zum einen ist es keine Rundwanderung, man muss eines der extra dafür bereit stehenden "Schluchtentaxis" erwischen oder zum Ausgangspunkt zurück trampen. Zum anderen haben uns viele davon abgeraten, diesen Weg mit Hund zu gehen. (Update September 2016: Mittlerweile weiß ich, dass es offiziell verboten ist, den Weg mit Hund zu gehen)

 

Am emotionalsten warnte die flotte Rezeptionistin des Campingplatzes Camping municipal - le Grand Canyon. Sie hatte selber einen Hund wie Ari, erzählt sie uns auf Englisch, und sich mit diesem auf den Weg durch die Verdonschlucht gemacht: "Einmal und nie wieder! Ich stand Todesängste um meinem Hund aus, weil es mehrere, ziemlich steile, drahtseilversicherte Stücke gibt, die im absturzgefährdeten Bereich liegen. Dazu kommen etwa 250 glatte Eisenstufen, die man überwinden muss. Ich hatte soviel Angst, dass ich die Wanderung überhaupt nicht genießen konnte."

 

Da uns auch eine Wanderführerin davon abgeraten hatte, die Strecke mit Hund zu laufen, beschlossen wir, soweit zu wandern, wie wir mit Hund kommen, und dann einfach umzudrehen.

Soweit, so gut. Wir parkten am Parkplatz zum Point Sublime, wo reger Touristenverkehr herrscht, und brachen, zunächst den Wegweisern folgend, zum Aussichtspunkt auf. Über ein weites Plateau geht es bis zu der Aussichtskanzel "Point Sublime", die einen tiefen Blick in die Verdonschlucht gewährt.

 

Wir waren so begeistert, dass ich nicht genau auf das GPS schaute und wir uns deshalb glatt verlaufen haben. Wir wählten nämlich einen Trampelpfad, der direkt von der Kanzel bergab führt.

 

Der Weg war schön, die Blicke in die Schlucht tief - aber irgendwann wurde uns klar: wir sind auf dem falschen Weg. Also die ganzen Höhenmeter zurück, wieder zum Aussichtspunkt und den richtigen Weg gesucht.

Endlich auf dem richtigen Weg, dem "Sentier Blanc-Martel".

Am Plateau neben dem Parkplatz angekommen, war schnell klar, warum wir falsch gelaufen waren. Es ist immer von Vorteil, wenn man die Wegweiser vor der Wanderung genau ansieht ;-)

 

Jedenfalls haben wir nun direkt den Weg vom Parkplatz zum Couloir Samson genommen: ein gut gepflegter Wanderweg, der an imposanten Felswänden vorbei zu einer Straße mit Wendeplatte führt, an der man übrigens auch parken kann. So spart man sich einige Höhenmeter.

 

Über die Straße geht es über Steinstufen bergab und über eine Brücke direkt an den Verdon. Das Wasser rauscht und lockt mit seinen türkisfarbenen Farbschattierungen. Aber es ist wirklich sehr kalt und die starke Strömung ist nicht unbedingt dafür gemacht, Hunde schwimmen zu lassen.

Am Ufer des Verdon: Stahlleitern und tiefschwarze Tunnel

Auch auf dem "leichteren" Stück gibt es "Hundehindernisse".
Auch auf dem "leichteren" Stück gibt es "Hundehindernisse".

Am Ufer des Verdons wandern wir den Sentier Blanc-Martel weiter, bis wir auf zwei Tunnel treffen. Der erste ist auch ohne Taschenlampe machbar, weil kurz. Im zweiten sollte man unbedingt eine Taschen- oder Stirnlampe dabei haben, er ist so lang, dass es innen rappelschwarz ist. Immer wieder gibt es zwar "Fenster" und in den Fels geschlagene Aussichtspunkte, aber der Boden ist uneben und es gibt im Dunkeln "unsichtbare" Pfützen.

 

Nach den Tunnel sind noch weitere Stahlleitern zu überwinden, bis wir an einem Punkt landen, den wir als Picknickplatz auswählen. Es ist der Aussichtspunkt "Trescaire", von dem es über eine Felsplatte an einem Drahtseil den Sentier Blanc Martel weiter geht.

 

Ich denke nicht, dass diese Platte ein großes Problem für einen Hund ist, aber aus Zeitgründen entschlossen wir uns, hier umzukehren und wanderten auf gleichem Weg zurück.

 

Irgendwann wollen wir die Schlucht nochmals genauer inspizieren und wirklich soweit wandern, bis es für Vierbeiner überhaupt nicht mehr weiter geht.


Tipps für die Wanderung mit Hund:

Allgemeine Hinweise:

 

Länge unserer Tour: ca 5 km

Höhenunterschied  ca. 400 Meter

Dauer (durchschnittlich): 3 h (reine Wanderzeit)

Bewertung: Mensch: blau

Trittsicherheit nötig; Taschenlampen nicht vergessen; Am Fluß wird vor schnellen Änderungen des Wasserpegels wegen der Stromkraftwerke gewarnt

 

Startpunkt: Parkplatz am Point Sublime an der D 952

 

Einkehr: Restaurant am Parkplatz Point Sublime, Auberge Point Sublime

 

Weitere Infos:

 

Informationen, Routenbeschreibungen und -pläne sowie einen Übersichtsplan (auf französisch) gibt es auf den offiziellen Tourismusseiten über den Verdon

 

Der gesamte Sentier Martel ist auch im Rother Wanderführer Provence beschrieben sowie im womo-Band 38.

Hundespezifische Hinweise:

 

Offiziell für Hunde verboten

 

Bewertung: Hund: rot

 

Wasser: ab und zu am Verdon

 

"Hotspots" für Hunde:

Mehrere, teils steile Treppen aus Stahlstufen, durchsichtig!

 


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Kommentare: 2
  • #1

    mw (Sonntag, 04 September 2016 12:01)

    Eine ganz wichtige Sache haben Sie vergessen - auf dem Schild zu den Regeln für die Schlucht steht "LAUT UND DEUTLICH"

    "No dogs allowed on path"

  • #2

    Andrea (Sonntag, 04 September 2016 19:28)

    Hallo mw, danke für den Hinweis - habe mir das Hinweisschild nochmal genauer angesehen und muss Ihnen Recht geben. Allerdings das "laut und deutlich" sehe ich anders - die Zeichen sind dummerweise in hellgrün gehalten und nicht in Warnfarbe rot - deshalb haben wir diesen Hinweis wohl auch völlig übersehen - wie offensichtlich viele andere auch, haben nämlich mehrere Hunde in der Verdonschlucht getroffen. Sogar die einheimische Wanderführerin, mit der wir im Vorfeld über hundefreundliche Touren gesprochen hatten, hat das nicht gewusst. Habe den Sachverhalt aber oben im Blog jetzt ausgebessert und auch deutlich gemacht.
    Andrea von mein-wanderhund.de