Wandern mit mehreren Hunden: Franzi und ihre drei Hunderiesen

Wandern mit mehreren Hunden: Franziska Rößner und ihre Berner Sennenhunde.

Franziska Rößner ist ein "alter Hase", was das Wandern mit einem Hunderudel betrifft. Warum es für sie (fast) egal ist, ob sie mit einem oder mehreren Hunden wandert, verrät sie im Folgenden ...

Wie heißen deine Hunde und wie alt sind sie?

Seit fast 15 Jahren werde ich beim Wandern von mehreren Hunden (meist zwei oder drei) begleitet. Aktuell habe ich drei Hunde - die vierjährige Berner Sennenhündin Vreni und einen Pflegehund, den sechsjährigen Briard Nepomuk. Mit etwa 63 bis 67 cm Schulterhöhe und einem Gewicht von 33 bis 40 kg zählten und zählen sie eher zu den größeren Vertretern ihrer Art. Dazu kam kürzlich mein neuer Berner Sennen Welpe Selma (aktuell vier Monate alt) ...

Wie oft gehst du mit deinen Hund wandern und wie weit

Wir wandern jedes Wochenende sowie im Urlaub. An den Wochenenden unternehmen wir Tagestouren (im Schnitt zwischen vier und sechs Stunden Gehzeit) im Erzgebirge und Elbsandsteingebirge, den Urlaub verbringen wir überwiegend in den Alpen. Über unsere Touren berichte ich auf meinem Blog www.bergwandern-mit-hund.de und habe auch das Rother Wanderbuch "Wandern mit Hund im Elbsandsteingebirge" geschrieben. 

Vor welche Herausforderungen/Probleme stellt es dich, mit mehreren Vierbeinern zu wandern?

"Probleme" habe ich eigentlich keine. Eine Herausforderung beim Wandern mit mehreren Hunde ist es, diese einzeln über schwierige Schlüsselstellen zu bringen. Hierfür ist unbedingter Gehorsam und Zuverlässigkeit der Fellnasen nötig, wenn einer von beiden vor bzw. nach der Schlüsselstelle warten soll, während man mit dem anderen die schwierige Passage überwindet.

Inwieweit schränken dich deine Vierbeiner beim Wandern ein? Wo sind eure Grenzen?

Gar nicht. Ich habe mich seit vielen Jahren darauf eingestellt, mit meinen Hunden zu wandern. Unsere Grenzen sind senkrechte Felswände oder lange, senkrechte Leitern.

Welche Lösungen hast du dir dafür überlegt, mit mehreren Hunden wandern zu gehen?

Ich habe keine speziellen Lösungen für das Wandern mit mehreren Hunden. Ich führe jeden an einer separaten Leine, dann kann man diese im Ernstfall auch mal loslassen, und die Hunde sind "frei". Natürlich nehme ich die doppelte Menge Wasser mit, ansonsten macht es für mich keinen Unterschied, ob ich mit einem oder mit zwei oder drei Hunden wandere.

Wie reagieren andere Wanderer oder auch Hüttenwirte?

Hier habe ich durch die Bank gute Erfahrungen gemacht. Ich denke, wie andere auf einen selbst reagieren, hängt immer auch stark davon ab, wie man sich benimmt. Meine Hunde laufen, wo es möglich ist, ohne Leine. Kommen Wanderer entgegen oder laufen wir an rastenden Wanderern vorbei, nehme ich die Hunde hinter mich und lasse sie nicht zu den Leuten hin laufen. Auf Hütten liegen die Hunde in der Ecke oder unter dem Tisch und belästigen keine anderen Gäste oder Hunde. Selbst bei Hüttenübernachtungen mit mehreren Hunden, teils sogar Hundegruppen, hatten wir nie Probleme. Natürlich gibt es Hütten, die keine Hunde oder Hundegruppen nehmen, aber das muß man akzeptieren und sucht sich eben ein anderes Wanderziel.

Welche Tipps könntest du Wanderanfängern mit mehreren Hunden geben?

Wichtig ist es, wie bereits erwähnt, ausreichend Wasser für die Hunde mitzunehmen. Je nach Tourlänge und geplanter Wegstrecke können das durchaus 3 Liter oder mehr sein, die man dann zusätzlich zum eigenen Proviant mit tragen muß. Da ich für mich selbst auch immer Wasser ohne Kohlensäure mitnehme, ist dies noch eine zusätzliche "eiserne Reserve", die ich für die Hunde nutzen kann.

 

Weiterhin sollte man bedenken, daß sich bei mehreren Hunden in manchen Situationen eine gewisse Gruppendynamik entwickeln kann. Sei es beim Thema Jagen oder auch in der Begegnung mit anderen Hunden. Fängt einer an zu pöbeln, macht der andere meist mit. Hier ist es wichtig, daß man seine Hunde gut kennt und eventuell schwierige Situationen vorausahnt. Aber das ist ja nicht nur beim Wandern der Fall.

 

Hat man vor, mit seinen Hunden anspruchsvolle Wege mit Kletterpassagen zu gehen, ist es sehr wichtig, daß die Hunde zuverlässig im Gehorsam stehen. Wenn ein Hund vor oder nach der Schlüsselstelle warten muß, sollte er dies auch tun und nicht selbständig in die schwierige Passage hineingehen. Ich selbst trainiere das mit meinen Hunden auf dem täglichen Spaziergang. Ich lasse sie sitzen, stehen oder liegen und rufe sie einzeln und abwechselnd ab. 

Welches Erlebnis in Zusammenhang mit deinen Hunden beim Wandern ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Vor 3 Jahren waren wir mit den beiden Berner-Mädchen Vreni und Gusti im Virgental in Osttirol unterwegs. Wir wollten durch die Zopetscharte zur Johannishütte gehen. Ob dieser Weg für unsere Vierbeiner machbar ist, wußten wir nicht. Einzige Information, die wir recherchieren konnten, war, daß man auf einer Seite eine abschüssige, ausgesetzte und drahtseilgesicherte Passage hat. Unsere Hunde waren und sind sehr geländegängig und bergerfahren, so daß wir uns entschlossen, diesen Weg zu gehen und notfalls umzukehren.

 

Wir stiegen also auf zur Eisseehütte und von da weiter Richtung Zopetscharte. Bald kamen wir an die Ausläufer eines Schuttkegels, auf dem in einiger Entfernung Gämsen mit ihren Jungen standen. Die kleinen spielten, und es war ein Anblick, der uns einige Zeit fesselte. Schließlich gingen wir weiter. Unser Weg schlängelte sich in Kehren den immer steiler werdenden Schuttkegel hinauf. Als wir gerade mitten im freien Gelände waren, polterten mit einem Mal mehrere, teils recht große Steine von den Felswänden herab.

 

Ich rannte mit den Hunden den Weg zurück bis zur vorherigen Kehre, während mein Freund den Weg nach oben lief und sich so aus der "Schusslinie" rettete. Aus sicherer Entfernung sahen wir dann den Auslöser des Steinschlages, eine kleinere Gruppe von Steinböcken, die weit über uns durch die Felsen turnte. Mir schlug das Herz bis zum Hals. Irgendwie mußten die Hunde und ich über das steinschlaggefährdete Wegstück kommen. Wir entschieden uns, einzeln zu gehen.

 

Dazu rief mein Begleiter die Hunde nacheinander zu sich. Brav und ohne zu zögern rannten sie den Weg hinauf zu ihm, und schließlich folgte auch ich den dreien. Völlig außer Atem und mit dem Schreck noch in den Gliedern kamen wir am Fuße der drahtseilgesicherten Schlüsselstelle an. Ich hoffte nur, daß wir diese bewältigen können und nicht auf dem selben Weg zurück müssen.

 

Mein Freund stieg alleine vor und schaute sich das Wegstück hinauf zur Scharte erstmal ohne Hunde an. Als er schließlich grünes Licht gab, stiegen wir mit den Hunden auf. Dabei sicherten wir sie mit jeweils zwei Seilstücken, an deren Ende Karabiner befestigt waren (ähnlich einem Klettersteigset), im Drahtseil und erreichten schließlich nach einem kurzen, knackigen Aufstieg die Zopetscharte. 

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